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Die Feuerwehr Weilmünster besuchte ihre Kameraden die Sapeur Pompiers Le Cheylard.

Bei einem kleinem Empfang in der Caserne de Securité (Feuerwehrstützpunkt) begrüßten der Chef de Securité Lieutenant Bernard Moulet und der Président d' Amité Philipp Arnaut die Gäste aus Weilmünster und hießen  sie herzlich willkommen. Am  zweiten Besuchstag war eine Besichtigung der Direction Départementmal (CASDIS)der zentralen Verwaltung der Feuerwehren und die zentrale Leitstelle des Dépatements Ardeche in Privas eingeplant. Bei dieser Gelegenheit konnte man einen sehr informativen Einblick in Arbeit der zentralen Leitstelle des Departments Ardeche nehmen. Das Departement Ardeche umfasst ein Gebiet von 5529 km² bei 319305 Einwohnern, die sich 339 Kommunen aufteilen.  Einsatztaktisch ist  das Departement Ardeche in 3 Territorien aufgeteilt. 2012 wurden von den 2956 Feuerwehrleuten 23738 Einsätze abgeleistet, wobei der Großteil, ca. 75% auf Rettungsdiensteinsätzen entfallen, diese Aufgabe begleitet  in Frankreich die Feuerwehr, in deren Zuständigkeit auch der Rettungsdienstes fällt.  Einsatzschwerpunkte liegen im Frühjahr und Herbst bei Hochwasserereignissen, die in der Region "Cevenoles" genannt werden. Hierbei treffen über dem Zentralmassiv (Cevennen) feuchte warme Winde vom Mittelmeer auf kalte atlantische Luft. Dieses führt dazu, dass sich in diesem Gebiet heftige Regenfälle in die engen Schluchten der Cevennen ergießen,  die wiederum die Flüsse sehr schnell und heftig anschwellen lassen. In den Sommermonaten erstrecken sich Einsätze der Feuerwehr hauptsächlich auf Waldbrände, deren Ursache zu einem großen Teil auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind. Neben der Trockenheit, wird die Ausbreitung des Feuers durch die erschwerte Zugänglichkeit begünstigt und das Eingreifen der Feuerwehr erheblich erschwert. In solchen Fällen hilft oft nur noch die Brandbekämpfung aus der Luft, die mit der legendären Canadair oder mit dem Hubschrauber durchgeführt wird. In dem Territorium der Südardeche schlagen  zusätzlich noch viele Wasserrettungseinsätze zu Buche. Hier befinden sich der Pont d' Arc, ein Felsentor das den Fluss Ardeche überspannt und die bis zu 200 m tiefen Schluchten der Ardeche. Diese einzigartigen Naturdenkmäler gelten als ein Mekka für Kanusportler. In der Hauptsaison passieren täglich mehr als 1000 Personen die Stromschnellen der Ardeche an diesen Stellen. Mit einer Menge Informationen versehen verließen die Weilmünsterer Feuerwehrkameraden das CASDIS. Natürlich gäbe es das eine oder andere noch hinterfragen aber dafür waren die Sprachbarrieren doch zu groß,  Im Anschluss wurde den Kameraden noch das Beschaffungs- und Instandsetzungszentrum für die Feuerwehren der Ardeche gezeigt und das im Aufbau befindliche Museum für Feuerwehrtechnik besichtigt. Hier konnte man die technische Fahrzeugentwicklung der französischen Feuerwehren nachvollziehen. Ein Citrone2CV (Ente) als Kommandowagen, ein Waldbrandlöschfahrzeug aufgebaut auf einen amerikanischen Armeejeeps aus dem letzten Weltkrieg und vielen weiteren Feuerwehrfahrzeuge füllten die Hallen des Museums. Bei einigen Kameraden kam ein Leuchten in die Augen als Capitaine Jean-Luc Bertrand das Hallentor öffnete, hinter dem sich etliche ausgemusterte Kleinfahrzeuge standen und demnächst öffentlich versteigert würden. Bei einem Anfangsgebot von 1500,- Euro weckte dieses natürlich Begehrlichkeiten und gerne hätte der eine oder andere einen der Land-Rover für diesen Preis gerne mitgenommen. Nach der langen Heimfahrt ließ man den Tag in der Caserne in froher Erwartung auf den kommenden Tag, der ganz im Zeichen des Congrés stand, ausklingen
Für die französischen Gastgeber war die Nacht schnell vorbei, da für sie schon um 5.00 Uhr zum Sammeln geblasen wurde, die Anwesenheit für die Gäste aus Weilmünster war erst ab 9.30 Uhr erforderlich. Der Congrés begann mit einem Antreten vor dem Salle de fete (Veranstaltungshalle), wobei die Kameraden aus Weilmünster einen Ehrenplatz neben den Offizieren und Honoratioren des UDIS 07 einnehmen durften. Der UDIS erfüllt eine ähnliche Funktion wie ein Feuerwehrverband hierzulande. Nachdem man in den Veranstaltungsraum eingezogenen war begann der eigentliche Congrés mit den Wortbeiträgen der einzelnen Verantwortlichen und Gäste, Auch in Frankreich ist man bestrebt die Wortbeiträge möglichst kurz zu fassen. Das kam letztlich auch den Weilmünsterer Kameraden zugute, da sie eh nicht viel oder gar nichts verstanden. Außer dem Haus- und Hoffotograf der Feuerwehr Weilmünster, mussten alle anderen auf ihren Stühlen bis zum Ende der Sitzung verharren. Nach der Sitzung stand der sogenannte Ehrentrunk auf dem Programm dem sich dann das Mittagessen anschloss. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen verschiedener Präsentationen der Feuerwehren. Angeführt wurde der Reigen von einem Flash-Mop den die Kameraden aus Le Cheylard an zahlreichen Abend einstudiert und im Vorfeld schon an verschiedenen Tagen und Plätzen  in Le Cheylard vorgeführt hatten. Übrigens fand die Uraufführung des Flash-Mobs bei der 50 jährigen Partnerschaftsfeier im Weilmünsterer Bürgerhaus statt. Es waren an diesem Tag viele Feuerwehren mit ihren Fahrzeugen und Ausrüstungen aus der Ardeche nach Le Cheylard gekommen und hatten dafür auch eine mehrstündige An- und Abfahrt in Kauf genommen, nur um sich hier zu präsentieren. So waren auch Spezialeinheiten Vorort, wie eine Rettungshundestaffel, eine Einheit die ausschließlich auf die Befreiung aus Zwangslagen sowie der Rettung aus Höhen und Tiefen spezialisiert ist. Auch durfte eine Spezialeinheit der Sapeurs de Pompiers de Foret nicht fehlen, die ausgerüstet mit schwerem Gerät bei der Waldbrandbekämpfung eingesetzt werden. Gemeinsam mit den Feuerwehren Vorort,  die sich im Schatten des Kettenbaggers für einen Löschangriff bereithalten werden Brandschneisen gezogen oder Glutnester im Waldboden eliminiert. Diese Spezialeinheiten demonstrieren ihr Können im Laufe des Nachmittags. Der Nachmittag war aber nicht nur den Spezialisten vorbehalten, sondern auch die JSP (Jugendfeuer) wollte dem nicht nachstehen zeigte besonders motiviert ihr Knowhow. Neben dem feuerwehrtechnischen Themenbereich wurde die Ausstellung durch das örtliche Gewerbe   um einige  Attraktionen, wie Ferraries und dem Rallyfahrzeug des französischen Meisters bereichert. Der offizielle Teil des Congrés wurde mit einer Fahrzeugparade durch Le Cheylard beschlossen. Wie groß die Anerkennung der Sapeurs de Pompiers bei der Bevölkerung ist, spiegelt sich in der Besucherzahl wieder, die sich auf dem Platz vor der Festhalle den ganzen Tag über aufhielten. So wurden nach Angaben der französischen Kameraden teilweise bis zu 2000 Personen gezählt. Nachdem die Dunkelheit hereingebrochen war, verebbte so langsam aber sicher der Besucherandrang an den Essens- und Getränkeständen. Wer jetzt von den Weilmünsterer Kameraden an einen beschaulichen Abend im Kreise der Gastfamilie dachte, um diesen anstrengenden Tag in Ruhe ausklingen zu lassen, der hatte weit gefehlt. Nachdem der letzte Stand geschlossen hatte wurde in der Veranstaltungshalle Party gefeiert. Die Tische standen noch vom Mittag dort, Essen und Trinken war auch schnell herbei geschafft und die Beschallungsanlage, ursprünglich für die Redebeiträge des Congrés vorgesehen, diente jetzt der musikalischen Unterhaltung. So klang der Abend nicht in aller Beschaulichkeit aus, sondern er endete mit Gesang und Tanz tief in der Nacht. Zu bewundern ist hier die Kondition der französischen Kameraden, denn als die Ersten die Party verließen,  waren sie ohne Rast und Ruh schon mehr als 20 Stunden auf den Beinen.
Am nächsten Tag, dem Sonntag wurde sich zunächst einmal ausgeruht, aber am späten Vormittag traf man sich wieder an der Veranstaltungshalle um aufzuräumen und um anschließend noch  ein wenig zu essen und zu trinken. Das Aufräumen begann damit, dass man sich zunächst einmal den Vorspeisenplatten zuwendete um deren Belag seinem bestimmungsgemäßen Zweck zuzuführen. Da dieses mit dem einen oder anderen Getränk besser funktioniert, wurde diese Aufräumtätigkeit gleich mit erledigt. Fast wäre den Feuerwehrkameraden aus Weilmünster noch ein Fauxpas passiert. Traditionsgemäß nimmt die besuchende Feuerwehr der besuchten Feuerwehr ein Fass Schnaps mit. Im letzten Moment wurde man sich bewusst, dass das Holzfass sich zum Wässern noch in der Caserne befand und der Schnaps noch im Bus war. Schnell war der Transport organisiert und der Schnaps konnte, da die tatsächlichen Aufräumarbeiten weit fortgeschritten waren, auf dem letzten noch stehenden  Tisch präsentiert und den Kameraden übergeben werden. Natürlich musste man sich aber auch davon überzeugen,  dass der edle Tropfen auch keinen Schaden genommen hatte. Am Abend fand man dann Zeit sich bei den jeweiligen Gastfamilien zusammenzusetzen und sich auszutauschen. Dieses funktionierte mit einigen Hilfsmitteln und Sprachkenntnissen auch relativ gut, Festzustellen ist aber, dass Sprache zwar ein wesentlicher Bestandteil der Kommunikation ist, aber nur ein Bestandteil,  verstehen kann man sich auch so!
Unaufhörlich rückte die Stunde des Abschieds näher. Am Montagmorgen um 8.00 Uhr war Abfahrt Richtung Heimat. Nachdem das Gepäck und der reichliche Proviant verstaut waren, nahm man herzlich Abschied voneinander, wobei auch die eine oder andere Träne floss. Geleitet von einem Feuerwehrfahrzeug ging die Reise los. Hinab durch das Tal der Eryeux fuhren wir Richtung Autobahn nach Valance. Jeder ließ noch einmal die Schönheit dieser Landschaft auf sich einwirken um die Erinnerung und die Eindrücke die man gesammelt hat nachhaltig in seiner Erinnerung abzuspeichern. Nach 13 Stunden Fahrt kam man am Abend in Weilmünster wieder an. Abschließend kann man sagen, das diese Fahrt zu unseren Kameraden nach Le Cheylard wie immer ein sehr schönes Erlebnis war, selbst Kameraden die der Sache im Vorfeld etwas skeptisch gegenüber standen, konnten sich vom Gegenteil überzeugen und teilen nun  den Standpunkt "alter" Le Cheylard-Fahrer, dass diese Freundschaft etwas ganz besonderes und erhaltenswertes ist. Vive l'Amité, es lebe die Freundschaft! Wir kommen wieder, im nächsten Jahr!

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LeCheylard Bulletin Muncipal N46

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